Kernaussage: Für Unternehmen mit hoher Abwärme oder hohem Wärmebedarf ist BEW nicht „Kommunalthema“, sondern ein wirtschaftlicher und strategischer Hebel – vorausgesetzt, Industrie und Kommune/Stadtwerk planen frühzeitig gemeinsam.
1) Was sich seit September 2025 geändert hat
Die Beantragung von Einzelmaßnahmen im Rahmen der BEW ohne Transformationsplan ist seit dem 15. September 2025 ausgelaufen. Neue Anträge auf Einzelmaßnahmenförderung ohne Transformationsplan sind damit nicht mehr möglich. Für Kommunen und Wärmenetzbetreiber steigt dadurch die Bedeutung von Modul 1 (Transformationsplan/Machbarkeitsstudie), weil es die Planungsgrundlage für förderfähige und umsetzbare Netzinvestitionen schafft.
Zusätzlich ist relevant: Ab dem 01.01.2026 gelten aktualisierte, zusammengefasste Merkblatt-Regelungen für neue Anträge. Wer Projekte plant, sollte daher Dokumentationsanforderungen und Zeitplan sauber auf die aktuelle BAFA-Systematik ausrichten.
2) BEW in zwei Sätzen (für Management)
- Modul 1 fördert Transformationspläne (Bestandsnetze) und Machbarkeitsstudien (Neubau) mit 50% Zuschuss (bis 2 Mio. € pro Antrag).
- Modul 2 fördert die systemische Umsetzung (Investition) mit 40% Zuschuss (bis 100 Mio. € pro Antrag; zusätzlich begrenzt durch die ermittelte Wirtschaftlichkeitslücke).
Für Modul 2 muss in der Regel eine belastbare Machbarkeitsstudie bzw. ein Transformationsplan für das betrachtete Wärmenetz vorliegen (muss nicht zwingend über BEW gefördert worden sein, muss aber die Kriterien erfüllen).
3) Warum das für energieintensive Unternehmen wirtschaftlich interessant ist
3.1 Unternehmen mit viel Abwärme: Aus „Verlustwärme“ wird ein Vermögenswert
Abwärme ist in vielen Industrieprozessen ein dauerhaft verfügbarer Energiefluss. Wird sie in ein Wärmenetz integriert, kann daraus ein vertraglich gesicherter Wärmeabsatz entstehen – mit zwei direkten Effekten:
- Zusätzliche Erlöse / Gegenwert: Wärme kann verkauft oder als Gegenleistung (z. B. Netzdienstleistungen, Preisstabilität) verhandelt werden.
- Kostensenkung im Betrieb: Reduzierter Kühlaufwand bzw. effizientere Abwärmenutzung kann OPEX senken (standortabhängig).
Wichtig: Für die Förderfähigkeit im Investitionsmodul sind Abwärmequellen nicht „nur zu nennen“, sondern technisch nachzuweisen (Prozessbeschreibung, Auskopplung, Einbindungsschema, Auslegung/Dimensionierung). Genau diese Nachweislogik erhöht die Projektsicherheit.
3.2 Unternehmen mit hohem Wärmebedarf: Preis- und Versorgungsrisiken reduzieren
Hohe Wärmebedarfe (Prozesswärme, Heißwasser, Dampf-Peripherie, Hallen/Standort) sind ein Kostenblock und oft ein Risiko (Preisvolatilität, Versorgungsabhängigkeit). Ein Netzprojekt kann – je nach Wärmequelle und Vertragsmodell – zu:
- stabileren Wärmekosten über längere Vertragslaufzeiten,
- geringerer CO₂-Exposition (abhängig vom Erzeugungsmix),
- höherer Versorgungssicherheit durch diversifizierte Quellen (EE, Abwärme, Speicher, Backup).
4) Verantwortung und „Miteinander“: Warum Kooperation der schnellste Weg ist
Wärmenetze sind Infrastruktur. Infrastruktur ist selten ein Solo-Projekt. Für die regionale Energiewende und für industrielle Standorte entsteht der größte Nutzen, wenn Kommunen/Stadtwerke (Netz, Verteilung, Anschlussplanung) und Industrie (Abwärmequellen und/oder stabile Abnahme) frühzeitig zusammenarbeiten.
Praktisch bedeutet das: Projektrollen und Verantwortlichkeiten müssen klar sein (Eigentum an Erzeugern, Netzbetrieb, Messkonzept, Preislogik, Verfügbarkeit/Haftung, Investitions- und Betriebsrisiken). Genau diese Klarheit wird in BEW-Projekten ausdrücklich erwartet, insbesondere bei Kooperationen.
5) Vorgehen in 6 Schritten
- Wärmebilanz in Management-Zahlen:
Abwärme: Temperaturlevel, MW-Spitzenleistung, MWh/Jahr, Betriebsstunden, Verfügbarkeiten, Restriktionen (Prozesskritikalität).
Wärmebedarf: MWh/Jahr, Temperaturanforderung, Lastprofil, Sicherheitsanforderung (Backup). - Partner-Setup starten:
Kommune/Stadtwerk identifizieren, aktuelle Wärmeplanung/Netzprojekte abfragen, Anschluss- und Standortoptionen prüfen. - Modul-1-Logik nutzen (Planung als Investitions-Enabler):
Ziel: Transformationsplan/Machbarkeitsstudie so aufsetzen, dass sie Investitionsentscheidungen ermöglicht (technisch, wirtschaftlich, rechtlich). Das reduziert Nachfragen, Re-Design und Verzögerungen. - Business Case CFO-ready:
CAPEX/OPEX, Preisformel, Abnahme-/Liefermengen, Verfügbarkeits- und Qualitätsparameter, Risikoallokation, Szenarien (Energiepreise, CO₂-Kosten, Ausbaupfade). - Modul-2-Readiness herstellen (Dokumentation):
Für Abwärme: Prozessbeschreibung, Auskopplung, Einbindung ins Netz, Dimensionierung. Für Kunden/Abnehmer: Temperatur- und Leistungsanforderungen, Anschlusslogik, Übergabestation. - Entscheidungsvorlage und Timeline:
Regulatorik und Fristen berücksichtigen, Vergabe/Beauftragung förderkonform planen, und ein Umsetzungsprogramm definieren (Maßnahmenpakete, wenn Zeithorizont > 4 Jahre).
6) Einordnung für das Management
Auch wenn die Anforderungen (Planungstiefe, Nachweise, Abstimmungen) zunächst Aufwand erzeugen, entsteht daraus ein strukturierter Rahmen: Projekte werden früher belastbar, Investitionen sind besser finanzierbar, und Kooperationsmodelle zwischen Kommune und Industrie werden klar verhandelbar. Für Standorte mit hoher Abwärme oder hohem Wärmebedarf ist das ein direkter Hebel zur Kostenoptimierung und Risikoreduktion.
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