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CBAM 2026: Was das für energieintensive Betriebe in Deutschland konkret bedeutet

Geschrieben von OHoE Team | 02. Februar 2026

Ab 1. Januar 2026 startet der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) in der Regelphase. Für bestimmte importierte Grundstoffe wird ein EU-ETS-gekoppelter CO₂-Preis fällig. Die Reform bringt zwar Erleichterungen (unter anderem eine 50-t/Jahr-Schwelle), aber für energieintensive Unternehmen bleibt CBAM ein Materialkosten-, Lieferketten- und Governance-Thema.

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Executive Summary (für CEO/CFO)

  • CBAM Regelphase ab 01.01.2026: Importierte CBAM-Güter werden mit einem CO₂-Preis belegt (gekoppelt an EU ETS).
  • Erleichterungen ja, Relevanz bleibt: Die 50-t/Jahr-Schwelle entlastet vor allem kleinere Importeure. Große Player bleiben im Scope.
  • Zeitversatz ist die Falle: Kosten entstehen 2026, der Cash-Out startet (nach Vereinfachungen) ab 01.02.2027 rückwirkend für Importe aus 2026.
  • Deutschland: Die DEHSt ist zentrale Anlaufstelle, inklusive Zulassung als „zugelassener CBAM-Anmelder“.

Wenn Sie 2026 keine saubere Daten- und Governance-Struktur haben, zahlen Sie 2027 nicht „ein bisschen mehr“, sondern oft unnötig zu viel.

Quellen: EU-Kommission (CBAM), DEHSt (Zulassung Regelphase), ICAP (Vereinfachungen).

1) Warum CBAM energieintensive Betriebe besonders trifft

Energieintensive Industrien (zum Beispiel Metall, Chemie, Papier, Baustoffe sowie Maschinenbau-Zulieferketten) stehen bereits unter Druck: Energiepreise, CO₂-Kosten (EU ETS/nEHS), Investitionsstau und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

CBAM kommt oben drauf, weil es genau die CO₂-intensiven Vorprodukte betrifft, die in diesen Branchen besonders relevant sind: Eisen/Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Strom, Wasserstoff. Auch wenn Ihr Werk selbst „nur“ weiterverarbeitet: CBAM-Kosten werden über die Lieferkette im Preis ankommen.

Quelle: EU-Kommission (CBAM Sektoren)

2) Wer in Deutschland betroffen ist und was sich 2026 ändert

2.1 Betroffene Waren (Scope)

CBAM gilt zunächst für sechs Sektoren: Zement, Eisen & Stahl, Aluminium, Düngemittel, Elektrizität, Wasserstoff. Entscheidend sind die im Detail definierten CN-/Zolltarifnummern, nicht nur die Sektorüberschrift.

Quellen: EU-Kommission, Ashurst (Guide für Importeure)

2.2 Zulassungspflicht (Regelphase)

Wenn Sie ab 2026 CBAM-Waren importieren und in den Pflichtenbereich fallen, benötigen Sie den Status „zugelassener CBAM-Anmelder“ (Antrag im CBAM-Register).

Quelle: DEHSt (Zulassung Regelphase)

2.3 Erleichterung: 50-Tonnen-Schwelle

Die Vereinfachung sieht eine 50-t/Jahr-Schwelle vor, unter der viele Importeure aus CBAM-Pflichten herausfallen. Für große Player bleibt CBAM weiterhin voll relevant.

Quelle: ICAP (Vereinfachungen)

2.4 Zeitachse: Kosten entstehen 2026, Zahlung 2027

Durch die Anpassungen beginnt der Verkauf von CBAM-Zertifikaten erst am 1. Februar 2027. Importeur:innen müssen die Kosten für 2026 dennoch kalkulatorisch aufbauen, weil die Verpflichtung rückwirkend gilt. Erste jährliche Erklärung und Surrender liegen (in vereinfachten Timelines) bei 30. September 2027 für das Importjahr 2026.

Quellen: ICAP, CarbonChain (Timelines)

2.5 Zuständigkeit in Deutschland

Die DEHSt ist als zuständige nationale Behörde benannt und veröffentlicht konkrete Hinweise zur Zulassung und Regelphase.

Quelle: DIHK (DEHSt zuständig)

3) Was wird konkret teurer? Die 5 Kostenkanäle für energieintensive Betriebe

Kanal 1: Importierte Grundstoffe bekommen einen CO₂-Preis (Materialkosten steigen)

Importierte CBAM-Güter werden mit Zertifikaten belegt, die an den EU-ETS-Preis gekoppelt sind. Grundlage sind die eingebetteten Emissionen. Betroffen sind genau die klassischen Kostenhebel-Inputs der Industrie (Stahl, Aluminium, Zement und weitere).

  • höhere Einkaufspreise oder nachträgliche Carbon-Surcharges
  • Preisdifferenzierung nach CO₂-Intensität des Lieferanten

Quelle: EU-Kommission

Kanal 2: Indirekte Preisweitergabe über Lieferketten (auch ohne eigene Importe)

Viele Unternehmen importieren nicht selbst, kaufen aber Materialien oder Komponenten mit CBAM-relevanten Inputs. Lieferanten werden CBAM-Kosten über Angebote und Preisgleitklauseln weitergeben. Das trifft insbesondere Maschinenbau, Automotive, Anlagenbau und Bauzulieferer.

Quelle: KPMG (Impact auf Manufacturing)

Kanal 3: Daten- und Nachweisaufwand (OPEX, der keiner budgetiert)

CBAM ist nicht nur ein Preis, sondern vor allem Datenarbeit: Emissionsdaten von Drittlandlieferanten, Methodik, Dokumentation, Prüfpfade und jährliche Erklärung. Datenaustausch und Datenqualität sind in der Praxis häufig der Engpass.

  • zusätzliche Kapazitäten in Einkauf, Zoll, ESG und Finance
  • Prozesskosten für Lieferanten-Onboarding, Datenerhebung und Qualitätssicherung
  • Risiko konservativer Default-Werte bei fehlenden Lieferantendaten (und damit unnötig hohe Kosten)

Quellen: PwC (Supply Chain Imperatives), DIHK

Kanal 4: Working Capital und Ergebnissteuerung (Abgrenzung 2026, Cash 2027)

2026 entsteht häufig kein unmittelbarer Cash-Out, aber eine kalkulatorische Verpflichtung. CFOs müssen Abgrenzung und Planung so aufsetzen, dass 2027 kein Liquiditäts- und Ergebnis-Schock entsteht.

Quelle: CarbonChain (Timelines)

Kanal 5: Wettbewerbsfähigkeit und Vertragsrisiken (Lieferfähigkeit wird „CO₂-fähig“)

CBAM macht Lieferketten CO₂-preisfähig und reportingfest. Wer die Daten nicht hat, wird langsamer, riskanter oder teurer.

  • Lieferantenwechsel oder Regionalisierung
  • neue Vertragsklauseln (Datenlieferpflicht, Audit, CO₂-Preisweitergabe)
  • potenzielle Verzögerungen im Importprozess ohne Zulassung

Quelle: DEHSt

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4) Was bedeutet das speziell für Betriebe, die ohnehin schon leiden?

Energieintensive Unternehmen haben oft drei parallele Stressoren:

  1. Kostenstress (Energie, Rohstoffe, CO₂)
  2. Investitionsstress (Modernisierung, Effizienz, Elektrifizierung)
  3. Komplexitätsstress (Reporting, Auditfähigkeit, Nachweisführung)

CBAM wirkt wie ein Verstärker:

  • Materialkosten steigen dort, wo Substitution schwer ist (Stahl, Aluminium, Zement).
  • Datenthemen wandern aus ESG in den Kernprozess von Einkauf und Finance.
  • Unklarheiten erzeugen Risikoaufschläge: Ohne Daten zahlen Sie konservativ oder verlieren Tempo.

5) Wie OHOE hilft, die Auswirkungen abzumildern (praktisch, nicht theoretisch)

CBAM ist ein externer Kostenimpuls. Ihre Hebel liegen intern: Verbrauch runter, Energie smarter, Daten belastbar. Genau da setzt OHOE an.

5.1 Energie- und Wärme-Roadmap: Kosten runter, CO₂ runter (6 bis 12 Wochen)

  • Abwärme- und Prozesswärmehebel (Quellen, Senken, Temperaturniveaus)
  • Prozessoptimierung mit messbarer Wirkung
  • Elektrifizierung oder Hybridisierung dort, wo es wirtschaftlich passt
  • Priorisierung nach Euro-Impact pro Monat, Umsetzbarkeit und Risiken

Ergebnis: CFO-taugliche Entscheidungsvorlage (Maßnahmenpaket, ROI-Szenarien, Umsetzungspfad).

5.2 Digitaler Zwilling für Energie/Wärme: von „wir vermuten“ zu „wir steuern“

  • Maßnahmen virtuell testen (Impact vor Umsetzung)
  • Effekte messbar machen (Baseline, Monitoring, MRV-Logik)
  • konsistente Daten für Management, Audit und Investitionsentscheidungen

5.3 Umsetzung als „Energy as a Service“ (wenn CAPEX der Bremsklotz ist)

  • weniger Investitionshürden
  • planbare Kosten
  • schnellerer Start bei klarer Performance-Logik

6) Handlungsempfehlung: 6 Schritte, die 2026 wirklich helfen

  1. CBAM-Exposure klären (direkt/indirekt, 50-t-Schwelle, Zulassungsbedarf).
  2. Governance festlegen (Owner + Schnittstellen: Einkauf, Zoll, ESG, Finance).
  3. Lieferanten-Datenfähigkeit sichern (sonst zahlen Sie Risikoaufschläge).
  4. Kostenmodell in Planung integrieren (Abgrenzung 2026, Cash 2027).
  5. Energie- und Wärmehebel priorisieren (Einsparungen als Puffer gegen Materialkosten).
  6. Digitale Nachweis- und Steuerungsbasis bauen (damit Wirkung gemessen wird, nicht diskutiert).

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FAQ

Ab wann gilt CBAM in der Regelphase?

Ab 01.01.2026 (Regelphase).

Wann entsteht der Cash-Out für CBAM-Zertifikate?

Nach den Vereinfachungen startet der Zertifikateverkauf ab 01.02.2027, rückwirkend für Importe aus 2026.

Bin ich betroffen, wenn ich nicht selbst importiere?

Häufig ja, indirekt. Lieferanten geben CBAM-Kosten über Preise und Vertragsklauseln weiter, besonders bei stahl-, aluminium- oder zementintensiven Lieferketten.

Was ist die größte praktische Hürde?

In vielen Fällen nicht der Preis, sondern Datenverfügbarkeit, Datenqualität und Prozessfähigkeit entlang der Lieferkette.

Quellen (Auswahl)

Hinweis: Dieser Text ist eine fachliche Einordnung und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.