Lösung C · Industrielle Wärmepumpen

Aus Abwärme wird Prozesswärme. Bis 150 °C – elektrisch und planbar.

Hochtemperatur-Wärmepumpen heben Abwärme aus Abwasser, Kühlwasser, feuchter Abluft oder Brüden auf das Temperaturniveau Ihres Prozesses – für Heißwasser, Prozessluft und Dampf. Wir legen sie herstellerunabhängig aus und rechnen ehrlich.

HerstellerunabhängigEEW Modul 2 förderfähigHeißwasser · Luft · Dampf
WärmequelleAbwärme 30–100 °C · Abwasser, Abluft, Kühlwasser
↓
Hochtemperatur-Wärmepumpe1 Teil Strom + 1–3 Teile Abwärme
↓
WärmesenkeProzesswärme 80–150 °C · Wasser, Luft, Dampf

Beispiel COP 3: Aus 1 kWh Strom und 2 kWh Abwärme werden 3 kWh Nutzwärme.

Ausgangslage

Ein großer Teil Ihrer Prozesswärme liegt im Temperaturbereich einer Wärmepumpe.

Trocknen, Pasteurisieren, Reinigen, Eindampfen, Destillieren: Viele Prozesse brauchen Wärme unter 150 °C – und erzeugen gleichzeitig Abwärme knapp darunter. Ein Gaskessel nutzt diese Abwärme nicht.

> 100 TWhProzesswärmebedarf bis 150 °C in Deutschland1
≈ 3realer COP bei 60 K Temperaturhub1
COP ≈ 2ab hier weniger CO₂ als ein Erdgaskessel1
20 kW – 20 MWLeistungsbereich verfügbarer Hochtemperatur-Wärmepumpen1,2
Physik zuerst

Der Temperaturhub entscheidet – nicht das Datenblatt.

Die Leistungszahl (COP) einer Wärmepumpe hängt vor allem vom Abstand zwischen Quellen- und Senkentemperatur ab. Die physikalische Obergrenze ist der Carnot-COP; reale Anlagen erreichen typischerweise 40–60 % davon (Gütegrad).

Entscheidend für die Auslegung ist deshalb nicht die Eintrittstemperatur der Abwärme, sondern die Temperatur, bei der das Kältemittel tatsächlich verdampft – abhängig vom Medium der Wärmequelle: Flüssigkeiten lassen sich eng anfahren, Luft braucht größere Temperaturdifferenzen, feuchte Abluft gibt ihre Wärme vor allem beim Kondensieren unterhalb des Taupunkts ab.

COP = ηG × TK / (TK − TV)   [T in Kelvin]

TemperaturhubCOP kommerzieller HTWP
30 K (Senke 120 °C, Versuch)5,7 – 6,5
40 Kbis ≈ 5,8
60 K≈ 3
70 K (Senke 120 °C, Versuch)2,2 – 2,8
130 K≈ 1,6

Quellen: Arpagaus et al. 2018; dena Technologie-Fakten HTWP.

COP-Rechner

Wie effizient arbeitet eine Wärmepumpe an Ihrer Wärmequelle?

Wählen Sie Medium und Temperatur Ihrer Wärmequelle sowie die benötigte Senkentemperatur. Der Rechner bestimmt Verdampfungs- und Kondensationstemperatur mediumabhängig und schätzt COP, Stromeinsatz und Wirtschaftlichkeit ab.

1 · Wärmequelle

2 · Wärmesenke

Typisch 0,40–0,60 (dena). Für offene Brüdenverdichtung (MVR) wird 0,55 vorbelegt.

3 · Wirtschaftlichkeit (optional)

Preise sind Beispielwerte – bitte Ihre Arbeitspreise einsetzen. CO₂-Faktor Strom: UBA-Schätzung Strommix 2025; Erdgas 0,201 t/MWh.

Ergebnis

–COP
Verdampfungstemperatur
–
Kondensationstemperatur
–
Temperaturhub
–
Carnot-COP
–
Break-even-COP ggü. Gaskessel
–
Nutzwärme
–
Strombedarf Wärmepumpe
–
Genutzte Abwärme
–
Ersetztes Erdgas
–
Kostendifferenz p. a.
–
CO₂-Minderung p. a.
–
Wärme Gas–
Wärme WP–

Überschlägige Abschätzung (Carnot × Gütegrad) ohne Hilfsenergie, Teillast und Wärmeverluste. Eine verbindliche Auslegung erfordert eine Ingenieuranalyse mit Ihren Lastgängen.

Ergebnis mit einem Ingenieur besprechen
Vorgehen

Von der Wärmequelle zur laufenden Wärmepumpe.

Quellen & Senken

Temperaturen, Mengen und Zeitprofile von Abwärme und Wärmebedarf erfassen; Pinch-Analyse für die beste Einbindung.

2–6 Wochen

Auslegung & Variantenvergleich

Kältemittel, Verdichter, ein- oder zweistufig, Speicher, Hybrid mit Bestandskessel – herstellerunabhängig verglichen.

4–8 Wochen

Förderung & Beschaffung

EEW-Antrag vor Vorhabenbeginn, Ausschreibung, Netzanschluss- und Leistungsprüfung.

projektabhängig

Umsetzung & Betrieb

Montage, Inbetriebnahme, Monitoring von COP und Einsparung – optional als Wärme-Service.

optional as a Service
Wärmequellen

Jede Quelle hat ihre eigene Physik.

Besonderheit

Gute Wärmeübertragung, kleine Grädigkeit. Bei Abwasser begrenzen Feststoffe und Fouling die Annäherung – oft mit Zwischenkreis.

Typische Senke

Heißwasser 70–100 °C für Reinigung, Pasteurisierung, Bäder, Vorwärmung.

Planungshinweis

Zeitgleichheit von Quelle und Senke prüfen; Pufferspeicher entkoppeln Schwankungen.

Besonderheit

Der Großteil der Energie ist latent gebunden und wird erst unterhalb des Taupunkts frei. Hohe Wasserbeladung bedeutet hohen Taupunkt – und damit hohe Quellentemperatur.

Typische Senke

Trocknerzuluft, Prozesswasser, Niederdruckdampf.

Planungshinweis

Verschmutzung, Fasern und Kondensat beherrschen; Korrosionsbeständigkeit der Wärmetauscher.

Besonderheit

Kondensierender Dampf liefert Wärme bei konstanter Temperatur. Offene Brüdenverdichtung (MVR) erreicht bei moderatem Hub hohe Leistungszahlen.

Typische Senke

Prozessdampf, Eindampfer, Trockner.

Planungshinweis

→ Lösung A: Dampfrecycling

Besonderheit

Kälte- und Druckluftanlagen geben ihre Abwärme ohnehin ab – die Wärmepumpe nutzt sie, statt sie über Rückkühler zu vernichten.

Typische Senke

Heißwasser, Hallenheizung, Vorwärmung.

Planungshinweis

Kombinierter Nutzen: Kälte und Wärme aus einer Anlage – z. B. in Molkereien.

Rahmenbedingungen 2026

Das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis verschiebt sich.

  • Stromsteuer für das produzierende Gewerbe dauerhaft auf 0,05 ct/kWh.
  • Industriestrompreis 2026–2028 für Unternehmen der KUEBLL-Sektoren; mindestens 50 % der Beihilfe sind in Dekarbonisierung zu reinvestieren.
  • CO₂-Preis BEHG: 55–65 €/t in 2026 und 2027, EU-ETS2 ab 2028.
  • Ab einem COP von etwa 2 emittiert die Wärmepumpe weniger CO₂ als ein Erdgaskessel – mit sinkendem Strom-Emissionsfaktor wird der Vorteil größer.

Förderung EEW Modul 2

Prozesswärme aus erneuerbaren Energien – darunter Wärmepumpen für industrielle Prozesse (nicht Gebäudeheizung).

60 %kleine Unternehmen
50 %mittlere Unternehmen
40 %große Unternehmen

Stand 2026; Antrag vor Vorhabenbeginn. Maßgeblich sind die aktuellen Richtlinien von BAFA bzw. Förderzentrale Deutschland.

FAQ

Häufige Fragen zu Industriewärmepumpen.

Welche Temperaturen sind heute erreichbar?

Am Markt verfügbare Hochtemperatur-Wärmepumpen liefern rund 50 bis 160 °C bei Leistungen von etwa 20 kW bis über 20 MW. Für Dampf auf höherem Druckniveau wird die Wärmepumpe mit einer Dampfverdichtung kombiniert.

Ab welchem COP lohnt sich eine Wärmepumpe wirtschaftlich?

Wenn die Wärmekosten der Wärmepumpe (Strompreis ÷ COP) unter denen des Kessels (Gaspreis inkl. CO₂ ÷ Kesselwirkungsgrad) liegen. Der Rechner oben zeigt diesen Break-even-COP für Ihre Preise. Hinzu kommen Investition, Förderung und Wartung.

Warum hängt der COP vom Medium der Wärmequelle ab?

Jeder Wärmetauscher braucht eine Temperaturdifferenz. Bei Wasser reichen wenige Kelvin, bei Luft oder verschmutztem Abwasser sind es mehr. Feuchte Abluft gibt ihre Wärme hauptsächlich beim Kondensieren ab – maßgeblich ist hier der Taupunkt, nicht die Ablufttemperatur.

Welche Kältemittel kommen zum Einsatz?

Zunehmend natürliche Kältemittel wie Wasser, Ammoniak, CO₂ und Kohlenwasserstoffe sowie fluorierte Olefine. Die Wahl hängt von Temperaturniveau, Sicherheitsanforderungen und Regulierung ab.

Bleibt der Gaskessel?

In der Regel ja – als Redundanz und für Spitzenlasten. Hybride Betriebsweisen erlauben es zudem, je nach Strom- und Gaspreis den günstigeren Wärmeerzeuger zu fahren.

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Quellen & Annahmen (Stand: Oktober 2026)

  1. dena – Technologie-Fakten Hochtemperatur-Wärmepumpen (Gütegrad 40–60 % von Carnot, COP ≈ 3 bei 60 K Hub, > 100 TWh Prozesswärme bis 150 °C)
  2. Arpagaus et al., High Temperature Heat Pumps: Market Overview, State of the Art, Research Status (Purdue 2018) – COP 1,6–5,8 bei 130–40 K Hub
  3. BAFA – Glossar EEW 2026; Förderquoten-Übersicht lt. dasfoerdermittelbuero.de, Stand Juni 2026
  4. Stromsteuer produzierendes Gewerbe 0,05 ct/kWh ab 2026; Rödl & Partner – Industriestrompreis 2026–2028, EU-Genehmigung 16.04.2026
  5. BEHG-Preiskorridor 55–65 €/t für 2026 und 2027, ETS2 auf 2028 verschoben (Kabinettsbeschluss 12.08.2026)
  6. Umweltbundesamt: CO₂-Emissionen pro kWh Strom 2025 ≈ 344 g/kWh (Schätzung); Erdgas 0,201 t CO₂/MWh (UBA, Heizwertbezug).
  7. Sättigungsdampfdruck/Taupunkt: Antoine-Gleichung für Wasser; Sattdampftemperatur aus Dampfdruck (Näherung, Abweichung < 1 K im Bereich 1–20 bar).
  8. Grädigkeiten je Medium (3–10 K) und Gütegrad sind ingenieurübliche Planungsannahmen von Open House of Energy für die Vorauslegung.

Die Informationen dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Kennwerte sind typische Bandbreiten bzw. dokumentierte Einzelwerte und ersetzen keine individuelle Ingenieuranalyse. Förderbedingungen und gesetzliche Vorgaben können sich ändern – maßgeblich sind die jeweils aktuellen Richtlinien. Open House of Energy übernimmt keine Haftung für Fehler oder Auslassungen.